Vitaliy Romanov. Iranskaya
Kapitel 7:
Nyusha
Also, Nyusha* – nicht mehr jung, aber hübsch, kontaktfreudig und fröhlich, mit gutem Humor, und komplett „gemacht“. Eine Iranerin. Eine Betrügerin und Lügnerin.
Ihr Intellekt lag unter dem Durchschnitt – wie bei vielen einheimischen Frauen. Schlau, ja. Aber ihr versteht: Wenn der Intellekt niedrig und die Schlauheit hoch ist, wirkt das mindestens komisch. Vor allem für mich, einen Menschen, der in Odessa geboren und aufgewachsen ist. Frauen aus Odessa sind schöner und deutlich raffinierter.
Zum ersten Date kam ich mit Sajod. Ein guter Freund von mir. Er bleibt bei uns, also später mehr über ihn. Wir fuhren zu dritt in ein kleines Restaurant. Nach Odessa ist das ein ganz gewöhnliches Lokal mit Bartheke – so eine Art Lounge-Café namens Riva. Hier versuchen die städtischen Szenegänger, sich kennenzulernen. Aber nach Odessa ist das alles langweilig. Wir tanzten, sie trank viel, ich nicht – ich saß am Steuer. Ich brachte sie nach Hause. Im Auto hing ein leicht säuerlicher Alkoholgeruch aus dem umgebauten Mund der persischen Prinzessin. Ich küsste sie nicht einmal. Gute Nacht, bis morgen. Nichts Interessantes.
Es entwickelte sich eine Korrespondenz. Sie sagte, sie sei keine Iranerin, sondern Perserin, und gelte als außergewöhnlich schön, weil sie große Augen habe. Sie war nicht mein Traum. Aber mangels Besserem begann ich, mich mit ihr zu treffen. Sie log ständig, erzählte mir, „wie bei uns in Deutschland alles sein muss“. Sagte mir, ich verstehe nichts und müsse mein neues Leben akzeptieren.
Bei den nächsten Dates sagte Njuscha bei meinen Versuchen, ihre Silikonbrüste zu berühren, ich solle mir keine Hoffnungen machen und mich darauf einstellen, dass es in den nächsten Monaten keinen Sex geben werde. Nach einem Treffen mit dieser Unnahbaren fuhr ich sofort ins Bordell. Einmal war ich dort mit einer Deutschen. Studentin, 19 Jahre alt. Ja, ja – wundert euch nicht. Die gibt es dort auch. Studium und Bildung ernähren nicht, und man muss ja von etwas leben. Übrigens: Hätte ich sie auf der Straße gesehen, hätte ich nie gedacht, dass sie Prostituierte ist. Wir sehen sie auf der Straße nicht. Aber das heißt nicht, dass es sie nicht gibt. Prostituierte Frauen fahren nicht mit Straßenbahnen und Zügen.
So reagierte ich auf Lügen. Njuscha wusste davon nichts und dachte, ich hätte mich in sie verliebt. Jetzt konnte sie mich belügen und mir Geld aus der Tasche ziehen. Das ist im Grunde auch Prostitution. Sie erzählte mir, sie sei seit zehn Jahren allein und arbeite in einer sehr großen, aber kaum bekannten Firma.
Natürlich log sie. Ich habe nie herausgefunden, wo sie tatsächlich arbeitete.
Wenn ihr Boss kam, durften wir uns nicht sehen. Das konnte bis zu einer Woche dauern. Über ihre Arbeitsbeziehung kann man nur spekulieren. Njuscha war rund um die Uhr bei ihm. Dann reiste er ab, und wir waren wieder zusammen. Sie zog mich in Restaurants, träumte mit mir von Reisen. Etwas später fuhr ich mit ihr für eine Woche nach Mailand, mit einem dreitägigen Zwischenstopp in Lugano. Und das war nicht die einzige Reise. Freitags hatte die persische Prinzessin plötzlich unzählige Termine, und wir konnten uns wegen ihrer endlosen Geschäftsverhandlungen nicht treffen. Am Samstagmorgen rief sie mich an und erzählte mir etwas mit verschlafener, heiserer Stimme. Das bedeutete: Sie war die ganze Nacht in der Riva oder in der Meer Bar. Die Lügnerin versuchte, mich zu einem Sonntagsfreund zu machen – also nach den Partys mit mir in Holland in teuren Restsuranten entspannen.
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