Ausländer

Ich bin ein ganz normaler Mensch, der irgendwann beschlossen hat, nach Europa zu ziehen und sein Leben zum Besseren zu verändern. In der Ukraine habe ich den Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt, mich im Geschäftsleben weiterentwickelt und gewisse Erfolge erzielt. Über mein Privatleben konnte ich mich nicht beklagen, aber es ließ zu wünschen übrig. Die erste ukrainische Orangene Revolution, an der ich teilgenommen habe, hat mein Leben nicht verschönert, außerdem wurde ich von der neuen Regierung strafrechtlich verfolgt und verhaftet. Da habe ich beschlossen, die Ukraine zu verlassen. Aber was habe ich in Europa gefunden?

Meine Träume von einer glücklichen europäischen Zukunft begannen zu verschwinden wie Tau in der Morgendämmerung. Ich habe meine Familie verloren. Eine neue Familie zu gründen war in einer Gesellschaft, in der es keine Familienkultur gibt, unrealistisch. Die Suche nach einer bescheidenen Perspektive im Geschäftsleben und wenigstens etwas Hoffnung auf eine Familie haben mich dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben. Das Leben in Europa ist nicht deshalb schwierig, weil wir nicht bereit sind. Hier leben ganz andere Menschen.

Ich kam mit offenem und gutem Herzen hierher. Ich teilte meine Geschichte mit Menschen, die mir damals wie Freunde erschienen. Aber ich spürte absolut keine Resonanz. Hier erzählt niemand etwas über sich selbst. Hier gibt es keine Begriffe wie Freundschaft, Ehre, Treue, Mitgefühl und Liebe.

Und nun stehe ich vor einer schrecklichen Entscheidung: Ich kann entweder ich selbst bleiben oder mich der lokalen Bevölkerung anpassen. Ich versuche es, aber es gelingt mir nicht. Ich muss mich verschließen und in meinem kleinen, abgeschotteten Raum mit meinen Gedanken und Gefühlen leben. Mein Schicksal in Europa ist besiegelt. Ich werde hier niemals finanziellen Erfolg haben.

Aber mich quält die Frage: Was wird aus meinen Kindern? Was werden sie einmal werden? Werden sie in Europa eine Familie gründen und glücklich sein?

Es gibt dennoch einen kleinen Hoffnungsschimmer. Ich bin nicht allein. Mit Mühe und Not gründe ich eine neue Familie. Ich sehe meine Kinder weiterhin. Das Leben geht weiter, und ich werde alles tun, um meine Authentizität nicht zu verlieren, Traditionen zu bewahren und dennoch ich selbst zu bleiben in einer mir völlig fremden Umgebung.

Ich hoffe, dass wir in unserer Diskussion gemeinsam Antworten auf lebenswichtige Fragen finden werden. Vielleicht können wir durch gemeinsame Anstrengungen das Leben zum Besseren verändern. Denn in meinem Buch kritisiere ich nicht nur die lokale Gesellschaft, sondern schlage auch einfache Lösungen für unsere gemeinsame Zukunft vor.

Dennis